Bergstraße 2008

Berstraße bei Nacht, Foto: Monja graeff
Nachtaufnahme von M. Graeff
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Fritz Lottmann

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Fritz Lottmann
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Zur Geschichte der Bergstraße und Burgstraße in der Oldenburger Innenstadt

(von Fritz Lottmann)

Diese kurze historische Begebenheit soll nur als ein kleiner Geschichtssplitter aus der Gesamtgeschichte der Stadt Oldenburg angesehen werden.

Die Bergstraße und die Burgstraße gehören zu den ältesten Straßen in der Stadt Oldenburg und dies mit einer recht bewegten Vergangenheit.
Seit dem Jahre 1645 trug die Bergstraße den Namen „Pansenberg“. Die damals meist Plattdeutsch sprechenden Bürger sagten natürlich „Pansenbarg“. Vorher soll sie Engelstraße genannt worden sein, weil es dort vermutlich eine Richt-stätte gab. Diese Aussage des Historiker Karl Sichart, ist allerdings wohl nicht wissenschaftlich abgesichert.

Die Bezeichnung Pansen ist das niederdeutsche Wort für den Magen von Wiederkäuern. Nun hatte in dieser Straße der Schlachter Krüger seine Schlachterei, und der entsorgte die Kuhmägen und Innereien der geschlachteten Tiere, indem er sie auf einen Abfallberg auf die Straße warf. So entstand im Volksmund schnell der Namen „Pansenbarg“, der als „Pansenberg“ auch offiziell wurde.
Dies war nun in der Tat eine besonders unappetitliche Angelegenheit, mit der die Anlieger nicht zufrieden sein konnten. Dies wollten sie mit einer Eingabe auf Umbenennung der Straße an den Magistrat ändern.
Die folgenden 200 Jahre waren aber für Oldenburg eine so schwere, von Katastrophen erfüllte Zeit, dass sich keiner mehr Gedanken über die Änderung eines Straßennamens machte.

1667 starb der von den Oldenburgern so sehr verehrte Graf Anton Günther und im gleichen Jahr brach die Pest in der Stadt aus. Sie wütete – wie auch in anderen Städten – mit todbringender Grausamkeit und raffte allein in Oldenburg wohl die Hälfte der Bevölkerung dahin. Man schätzt, dass dies etwa 2000 Menschen waren. Sie standen dieser Katastrophe völlig wehrlos gegenüber. Auf dem Gertruden-Friedhof gab es keine freie Grabstätte mehr, und so konnten die vielen Toten nur noch notdürftig auf der sogenannten Pestwiese, einem Gelände gegenüber des Ziegelhofes, verscharrt werden.
Als sich dieses Unglück im Winter 1668/69 langsam verzog, wartete schon die nächste Katastrophe auf Oldenburg.

In der Nacht des 27. Juli 1676 schlug bei einem schweren Gewitter der Blitz gleich in mehrere Häuser ein und legte die Stadt in Schutt und Asche. 75 % der Häuser sollen zerstört worden sein. Es wird als ein Wunder angesehen, dass wohl keine Menschenleben zu beklagen waren, aber die Menschen in der Stadt Olden-burg waren über Nacht bettelarm geworden. Kaum noch Nutzvieh, keine Industrie, keine Arbeit, kein Verdienst. Das Degodehaus am Markt und ein paar Häuser am Schlossplatz wurden vom Feuer verschont und sind heute die letzten Zeugen der Bebauung vor dem Brand. Hier sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die damalige Stadt Oldenburg etwa den Bereich der heutigen Innenstadt umfasste.

Als dritte Katastrophe empfanden die Oldenburger die Dänenherrschaft. Nach dem Tode des Grafen Anton Günther, der keine offiziellen Erben hatte, fiel Oldenburg durch Erbfolge an Dänemark. Dänemark konnte aber nur wenig Interesse für das ferne Oldenburg aufbringen und so kam der Wiederaufbau auch nur sehr langsam voran. Erst als der Herzog Peter-Friedrich-Ludwig, am 6. Juli 1785, die Regierungsgeschäfte in Oldenburg übernahm, ging es wieder bergauf. In den Jahren 1840/45 wurde der von den Anliegern so ungeliebten Straßenname „Pansenberg“ in Bergstraße umgewandelt. Die Anlieger hatten einen Antrag an den Magistrat der Stadt gestellt und der stimmte aus ästhetischen Gründen dieser Umbenennung zu.
Die Benennung Bergstraße hat also nichts damit zu tun, dass gerade an der Langen Straße, Einmündung Bergstraße/Kleine Kirchenstraße der höchstgelegene Punkt in Oldenburgs Innenstadt gemessen wurde.

Auch die Anlieger der heutigen Burgstraße hatten ihr Problem. Diese Straße hieß bis zum 10. März 1897 „Poggenburg“ – plattdeutsch Poggenborg. Dieser Name wird übrigens 1462 bereits urkundlich erwähnt, auch wenn dieses Sumpfgelände erst um 1750 besiedelt wurde.
Die Geschichte dieser Namensgebung klingt recht plausibel. Die Straße liegt im Bereich eines versumpften Armes des Haarenflüsschens. Es war dort also sehr feucht und wo es feucht ist, findet man auch vermehrt Frösche. Der plattdeutsche Name für Frosch heißt Pogg und für Frösche Poggen. Außerdem soll dort ein festes Steinhaus gestanden haben, das die Menschen, die meist in Holzhäusern lebten, als Burg bezeichnet haben. So ent-
stand für dieses feuchte Gelände aus Poggen und Burg der Name „Poggenburg“. Ähnlich wie in der Bergstraße empfanden die Anlieger diesen Straßennamen diskriminie-rend und unzumutbar. Sie stellten einen Änderungsantrag an den Magistrat und so wurde am 10. März 1897 aus Poggenburg – Burgstraße.
Übrigens wird die Bezeichnung Poggenburg heute durchaus nicht mehr als diskriminierend oder unästhetisch angesehen. Sie hat schon fast einen volkskundlichen Wert und ist an anderer Stelle bereits wieder verwendet worden.

© Fritz Lottmann