
(von Fritz Lottmann)
Diese kurze historische Begebenheit soll nur als ein kleiner Geschichtssplitter aus der Gesamtgeschichte der Stadt Oldenburg angesehen werden.
Die Bergstraße und die Burgstraße gehören zu den ältesten
Straßen in der Stadt Oldenburg und dies mit einer recht bewegten Vergangenheit.
Seit dem Jahre 1645 trug die Bergstraße den Namen
„Pansenberg“. Die damals meist Plattdeutsch
sprechenden Bürger sagten natürlich „Pansenbarg“.
Vorher soll sie Engelstraße genannt worden sein, weil es dort vermutlich
eine Richt-stätte gab. Diese Aussage des Historiker Karl Sichart, ist
allerdings wohl nicht wissenschaftlich abgesichert.
Die Bezeichnung Pansen ist das niederdeutsche Wort für den Magen von
Wiederkäuern. Nun hatte in dieser Straße der Schlachter Krüger
seine Schlachterei, und der entsorgte die Kuhmägen und Innereien der
geschlachteten Tiere, indem er sie auf einen Abfallberg auf die Straße
warf. So entstand im Volksmund schnell der Namen „Pansenbarg“,
der als „Pansenberg“ auch offiziell wurde.
Dies war nun in der Tat eine besonders unappetitliche Angelegenheit, mit
der die Anlieger nicht zufrieden sein konnten. Dies wollten sie mit einer
Eingabe auf Umbenennung der Straße an den Magistrat ändern.
Die folgenden 200 Jahre waren aber für Oldenburg eine so schwere, von
Katastrophen erfüllte Zeit, dass sich keiner mehr Gedanken über
die Änderung eines Straßennamens machte.
1667 starb der von den Oldenburgern so sehr verehrte Graf Anton Günther
und im gleichen Jahr brach die Pest in der Stadt aus. Sie wütete –
wie auch in anderen Städten – mit todbringender Grausamkeit und
raffte allein in Oldenburg wohl die Hälfte der Bevölkerung dahin.
Man schätzt, dass dies etwa 2000 Menschen waren. Sie standen dieser
Katastrophe völlig wehrlos gegenüber. Auf dem Gertruden-Friedhof
gab es keine freie Grabstätte mehr, und so konnten die vielen Toten
nur noch notdürftig auf der sogenannten Pestwiese, einem Gelände
gegenüber des Ziegelhofes, verscharrt werden.
Als sich dieses Unglück im Winter 1668/69 langsam verzog, wartete schon
die nächste Katastrophe auf Oldenburg.
In der Nacht des 27. Juli 1676 schlug bei einem schweren Gewitter der Blitz gleich in mehrere Häuser ein und legte die Stadt in Schutt und Asche. 75 % der Häuser sollen zerstört worden sein. Es wird als ein Wunder angesehen, dass wohl keine Menschenleben zu beklagen waren, aber die Menschen in der Stadt Olden-burg waren über Nacht bettelarm geworden. Kaum noch Nutzvieh, keine Industrie, keine Arbeit, kein Verdienst. Das Degodehaus am Markt und ein paar Häuser am Schlossplatz wurden vom Feuer verschont und sind heute die letzten Zeugen der Bebauung vor dem Brand. Hier sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die damalige Stadt Oldenburg etwa den Bereich der heutigen Innenstadt umfasste.
Als dritte Katastrophe empfanden die Oldenburger die Dänenherrschaft.
Nach dem Tode des Grafen Anton Günther, der keine offiziellen Erben
hatte, fiel Oldenburg durch Erbfolge an Dänemark. Dänemark konnte
aber nur wenig Interesse für das ferne Oldenburg aufbringen und so
kam der Wiederaufbau auch nur sehr langsam voran. Erst als der Herzog Peter-Friedrich-Ludwig,
am 6. Juli 1785, die Regierungsgeschäfte in Oldenburg übernahm,
ging es wieder bergauf. In den Jahren 1840/45 wurde der von den Anliegern
so ungeliebten Straßenname „Pansenberg“ in Bergstraße
umgewandelt. Die Anlieger hatten einen Antrag an den Magistrat der Stadt
gestellt und der stimmte aus ästhetischen Gründen dieser Umbenennung
zu.
Die Benennung Bergstraße hat also nichts damit zu tun, dass gerade
an der Langen Straße, Einmündung Bergstraße/Kleine Kirchenstraße
der höchstgelegene Punkt in Oldenburgs Innenstadt gemessen wurde.
Auch die Anlieger der heutigen Burgstraße hatten
ihr Problem. Diese Straße hieß bis zum 10. März 1897 „Poggenburg“
– plattdeutsch Poggenborg. Dieser Name wird übrigens 1462 bereits
urkundlich erwähnt, auch wenn dieses Sumpfgelände erst um 1750
besiedelt wurde.
Die Geschichte dieser Namensgebung klingt recht plausibel. Die Straße
liegt im Bereich eines versumpften Armes des Haarenflüsschens. Es war
dort also sehr feucht und wo es feucht ist, findet man auch vermehrt Frösche.
Der plattdeutsche Name für Frosch heißt Pogg und für Frösche
Poggen. Außerdem soll dort ein festes Steinhaus gestanden haben, das
die Menschen, die meist in Holzhäusern lebten, als Burg bezeichnet
haben. So ent-
stand für dieses feuchte Gelände aus Poggen und Burg der Name
„Poggenburg“. Ähnlich wie in der Bergstraße empfanden
die Anlieger diesen Straßennamen diskriminie-rend und unzumutbar.
Sie stellten einen Änderungsantrag an den Magistrat und so wurde am
10. März 1897 aus Poggenburg – Burgstraße.
Übrigens wird die Bezeichnung Poggenburg heute durchaus nicht mehr
als diskriminierend oder unästhetisch angesehen. Sie hat schon fast
einen volkskundlichen Wert und ist an anderer Stelle bereits wieder verwendet
worden.
© Fritz Lottmann