Klenner 2010

Die nebenstehende Geschichte und mehr finden Sie im Plattdeutschen Kalender 2010
Klenner 2010
Als kleines Geschenk oder zum Selberlesen per E-Mail oder per Tel. 04402-60160 bestellen. Mit "OMA"-Code "plattdüütsch" gibt es noch etwas Besonders dazu: Die Geschichte darin "Jule" von Wilfried Harms wird von ihm signiert.

Der Kalender kostet 4,80 € + 1,70 € Versand.

Ingeborg Huisken

Ingeborg Huisken

hat als plattdeutsche Autorin zahlreiche Kurzgeschichten verfasst, die seit 1991 regelmäßig im „Plattdüütsch Klenner“ sowie in mehreren Anthologien veröffentlicht wurden. Erfolg hat sie auch mit dem Buch zur Verkehrserziehung in plattdeutscher Sprache „Poggi in de grote Stadt“.

Seit zwanzig Jahren ist Frau Huisken Mitglied im „Spieker-Schrieverkring“(über mehrere Jahre als Leiterin des Jugend-Schrieverkring). Sie hält Lesungen, fungiert als „Topuustersche“ bei der Späälköppel Wiefelstä und ist Mitgestalterin der Lesenachmittage „All so wat up Hoch un Platt“.

1946 in Varel geboren und in Oldenburg aufgewachsen, wohnt Frau Huisken seit 1972 im ammerländischen Wiefelstede.

Sie sind hier: Plattdeutsch ->

Villicht ok?

(Eine Geschichte auf Plattdeutsch von Ingeborg Huisken, Wiefelstede)

Inköpen weer daan und ik tööv up mien Dochter. Wi wullen us in een van de lüttjen Cafés in de Footgängerzone in Ollnborg drapen.
Vandagen weer’t woller koolt, todem fissel dat stadig.
At ik op dat Café tostüür, gewahr ik in ’n Vörbigahn een jungen Keerl, woll so an de twintig. He huck mit ’n Rügg an een Huusmüür lehnt. Een Arm harr he üm sien Knee slaan un den Kopp upstütt, sien anner Arm mit de apen Hand weer utstreckt. Ahn Jack or Mütz, blot mit een Pullover, seet he dar. Darbi leet he nich nich mal afreten. Liekers weer he an’t Bedeln.
In dat Café fund ik een Platz an’t Finster. Mien Dochter weer noch nich dar. Ik tööv up den bestellten Tee un keek wieldes na buten.
Noch jümmer seet de junge Keerl dar at in Steen gaten up anner Stratensiet. He röög sik nich.
Ielige Lüe lepen vörbi. Kieneen acht up em, nüms legg wat in sien apen Hand.
So jung, wat ’n Truurspill! Ik müß jümmer woller henkieken. Harr de kien Tohuus, kien Öllern? Bedeln – vandagen mött doch nüms mehr versmachten. Villicht wull he sik ok nich helpen laten. Or he is ’n Utlänner, de kien Stütt kriggt. Is ja licht verdeent Geld, eenfach so de Hand upholen!
Amenn bedelt he üm Geld för Sluck un Hasch un is kriminell?
„Aver wenn he nu ganz ahn egen Todoon in Noot kamen is“, mellt sik mien binnersten Stimmen, „un een Euro – harr de die armer maakt?“
„Nee, nee, lever nix mit to doon hebben, rechtschapen Lüe find ehr Utkamen. Ward sowieso jümmer mehr mit de Bedelee in de Stadt. An elkeen Eck of Kant dudelt Stratenmuskanten or sitt Rümdrievers, faken mit grote Hunnen an ehr Siet. Ok woll mal ’n Frominsch mit ’n lüttjet Kind. All hebbt se ’n Pott upstellt, haapt up weekmödige Minschen un glöövt, dat dar de Geldstücken man eenfach so rin fallt.
„Kummt noch so wiet, dat de Keerl dar mi noch duurt“, seggt een anner Stimm in mi un heet dat nich: Jeder ist seines Glückes Schmied?“
Ik dreih mi weg un kiek na de anner Stratensiet. Dar steiht een ole Fro, tatterig al, schiens wiet över tachentig, brunen Mantel, griese Hoor ünner een swarte Kapp, brune Strümp, swarte Schoh un Handtasch. Een lüttje spillerige Person man; steiht dar, stütt up een Handstock, un bekickt sik dat Elend an de Müür. Nu tippelt se up den Keerl to un böögt sik dal. Man he röögt sik nich. Dar kummt se woller hoch un stuckelt wieter de nächste Huuseck ümto.
„Kiek“, beruhigt sik mien Geweten, „se hett em ok nix geven.“
Man dat durrt blot ’n lüttjen Ogenblick un se is woller dar. Mit de een Hand hett se de Tasch to faten un stütt sik up ehrn Stock, in de anner Hand hollt se een dampen Pappbeker un een pralle Tuut.
Nu stuppt se den Keerl mit ehrn Handstock in de Siet. Un at he sik verfehrt un hochkickt, langt se em den dampen Beker un de Tuut hen.
Dar steiht de junge Keerl doch wohrhaftig up, nimmt de Fro den Beker un de Tuut af un maakt ’n ganz depen Dener. De ole Fro nickkoppt em to, dreiht sik üm un tippelt weg.
Se süht nicht mehr , wor de Tuut ielig upreten ward un he smachtig in dat Brötchen bitt.
Nadenkern röhr ik in mien Tass. Harr ik nich villicht ok...?
„Hallo, Mama, du büst ja woll ganz in Gedanken! Töövst du al langen?“

© Ingeborg Huisken

 

 

 

nach oben